USA 2018 – Boondocking

Mit „boondocks“ meint man im Amerikanischen die unzivilisierte Provinz, auch die Randbezirke, in denen die wohnen, die es nicht geschafft haben. Manchmal wird es auch schlicht mit „Wildnis“ übersetzt. „Boondocking“ ist das freie Stehen mit einem Wohnmobil irgendwo abseits der Straßen, also nicht auf einem ausgewiesenen Campingplatz. Im Gegensatz zu den meisten europäischen Ländern ist das in den USA durchaus erlaubt und es gibt darüber hinaus extra ausgewiesene Gebiete.
Die Campingkultur ist ohnehin grundverschieden zu dem, was man hierzulande kennt. ADAC-fünf-Sterne-Plätze mit rundum Bespassung bezeichnet man hier als „Ressorts“, wo dicke Amerikaner in weißen shorts mit ihren dick geschminkten Frauen in ihren zwölf Meter langen Wohnmobilen sitzen und auf einem Großbildschirm starren, während die Eiswürfel in den Drinks vor sich hin schmelzen.

Dann gibt es die RV-parks (RV = recreational vehicle – „Erholungsfahrzeug“), in denen die Urlaub machen, die sich die Aufnahme- und Mitgliedsgebühren in den Ressorts nicht leisten wollen oder können. Manche sagen dazu auch campground, aber für Zelter ist hier kein Platz. Der Grund hierfür mag sein, das RV-Parks fast ausschließlich privat betrieben werden. Die eigentlichen Campingplätze sind hingegen mit Steuergeldern finanziert. Die sind wesentlich günstiger als die Franchise-Ketten wie z.B. KOA. Diese Plätze werden vom Bureau of Landmanagment (BLM) verwaltet und man kann dort für kleines Geld stehen.

Das „dispersed camping“ ist gratis. Das, was man boondocking nennt. Man darf bis zu 14 Tage auf öffentlichen Grund stehen. Die Tage müssen nicht zusammenhängend sein, aber nicht länger als insgesamt 28 Tage an einem Platz verweilen. Dann muss man mindestens 25 Meilen weiter ziehen. Es ist also möglich, viel Geld zu sparen.

Unser erstes boondocking. Auf dem Weg zum Grand Canyon

Speziell dann, wenn man große Strecken überbrücken muss, ist diese Möglichkeit in Betracht zu ziehen, wenn es nur um die Übernachtung geht. Wir haben im Verlauf unserer USA-Reise mehrere Male „geboondockt“, einmal illegal im Bryce Canyon National Park auf dem Besucherparkplatz übernachtet, aber ansonsten die günstigen BLM-Plätze aufgesucht. Plätze mit „full hook up“ (Strom, Wasser, Abwasser) haben wir höchstens drei Mal benutzt. Abwasser wird man an dump stations los, wo man auch Frischwasser auffüllen kann.

Ca. 10 km vor dem Eingang zum Grand Canyon gelegen. Unser zweites boondocking

Vorfreude

Das neue Jahr 2020 fing ja gut an. Wir haben uns ein neues Auto bestellt. Einen Dacia Dokker. Wenn es nur um einen fahrbaren Untersatz gegangen wäre, hätte uns unser Dacia Sandero noch für die nächsten zehn Jahre oder so genügt. Aber wir wollen mehr. Wir wollen den Dokker zum Minicamper ausbauen – und dafür ist ein Sandero nunmal nicht geeignet. Angefixt wurden wir auf unserer USA-Tour 2018, als wir vier Wochen lang in einem gemieteten Wohnmobil durch Kalifornien, Utah, Arizona und Nevada gefahren sind. Und so nagte ständig der Wunsch nach mehr Freiheit dieser Art an uns.

Was man will, ist das eine. Was man realisieren kann, das andere. Von der Anschaffung her hätten wir uns „nur“ ein sehr betagtes Wohnmobil leisten können, weil wir uns nicht bis über beide Ohren verschulden wollen. Aber dann wohin damit? Wir wohnen in der Stadt zur Miete, was bedeutet, das gute Stück würde die meiste Zeit ungenutzt und ungeschützt auf einer Straße herum stehen. Steuern und Versicherung für ein zweites Fahrzeug. Und letztendlich ist so ein Wohnmobil zu groß und zu unhandlich, um damit dahin zu fahren, wo WIR hinfahren wollen. Um auf irgendeinem Campingplatz zu stehen – da reicht uns unser großes Zelt. Aber wir wollen nicht an einem Platz stehen, sondern reisen, die Gegend erkunden, Städte auch auf Seitenstraßen befahren können und und und.

Die Idee eines Minicampers manifestierte sich. Ursprünglich sollte es ein Zweitfahrzeug werden, welches saisonal genutzt werden sollte. Auch hier wieder zweimal TÜV, zweimal Versicherung, zweimal Autosteuer. Und nur ein Parkplatz vor dem Haus. Auch war die Gebrauchtwagensuche in den bekannten Internetportalen eher ernüchternd als motivierend. Zu teuer, zu heruntergekommen, zu unglaubwürdig. Das muss man sich mal vorstellen: Ein VW T3 syncro Baujahr 1986 mit 241.000 km – da wollen die 28.500 Euro für haben? Gehts noch? Das Problem ist halt, das wir uns von dem Sandero nur sehr schweren Herzens trennen werden.

Aber ein paar Monate sind es ja noch, bis „der Neue“ geliefert wird. Vorher sind wir noch ein zweites Mal in den USA, dieses Mal geht es in den Nordwesten. Und dann kommt erst einmal der Ausbau. Und dafür brauchen wir das Geld vom Verkauf des Sandero. Aber dafür haben wir wieder ein fabrikneues Fahrzeug mit Garantie und der Gewissheit, nicht von einem windigen Gebrauchtwagenhändler über den Tisch gezogen worden zu sein.

Weißes Fell und schwarze Nase. Der Dokker kann nur Knut heißen…         Bild: Dacia.de