USA 2018 – King City nach Ojai

King City – San Lorenzo County Park

23. Mai 2018

Wenn man in knapp vier Wochen durch vier US-Bundesstaaten reisen und dabei ca. 7.500 km zurücklegen will, muss man ab und zu Strecke machen. Heute ist so ein Tag. Wir wollen weiter Richtung Süden auf der Highway 101, dann kurz vor Los Angeles nach Osten über die San Bernadino Mountains in Richtung unseres ersten National Parks – Joshua Tree – fahren. Die Strecke bis zum Joshua Tree NP wäre an einem Tag zu schaffen, aber wir haben Urlaub und wollen nach Möglichkeit nicht mehr als drei- vierhundert Kilometer am Stück fahren.

Gestern abend sind wir ziemlich müde hier angekommen. Heute können wir uns die ganze Sache einmal bei Licht betrachten.

Es ist immer noch alles neu und ungewohnt. Es wird wohl noch ein paar Tage dauern, bis sich eine Routine eingestellt hat. Der Frust von gestern, als wir keinen Platz finden konnten, hat seine Gründe gehabt. Noch in Deutschland hatten wir uns einen mobilen WiFi-Hotspot von ZTE samt SIM-Karte für die USA angeschafft. Alle Versuche, das Ding in Betrieb zu nehmen, scheiterten mit dem Hinweis:

Unfortunately, the device you’re trying to unlock is associated with fraud so we can’t unlock it.
Thanks for choosing us,
AT&T

Toll, wenn man mitten in einem fremden Land nach einem Standplatz sucht und alle apps nicht funktionieren. Dann erscheint plötzlich alles fremd und feindlich. Inmitten all dieser Pistazien- und Avocadofarmen schien die gewohnte Zivilisation weit weg und wir waren verunsichert, müde und genervt. Aber wenigstens hatte das Navi noch Alternativen parat.

USA 2018 – Pacific Coast Highway

Ano Nuevo State Park

Nicht jedem ist es vergönnt, an der Pazifikküste entlang zu spazieren oder zu fahren. Sich dessen bewusst zu sein, macht es zu etwas Besonderem. Und so muss man sich das eine oder andere mal vergewissern, daß das jetzt tatsächlich passiert und kein Traum ist. Wir sind in Kalifornien!

See-Elefanten

Wir haben in den verschiedenen State- und Nationalparks immer wieder ehrenamtliche Volontäre getroffen, die uns Touristen mit viel Geduld und nicht ohne Stolz „ihren“ Park präsentierten. Hier wird nicht durch Verbotsschilder ausgegrenzt und so die Natur nur aus der Ferne erfahrbar gemacht, sondern man ist oft mittendrin im Geschehen. Gut, der Strand mit den See-Elefanten hatte einen etwas strengen, gewöhnungsbedürftigen Geruch, aber wann kommt man schon mal so dicht heran? Der Eintritt in den Ano Nuevo State Park war übrigens frei, weil wir die Nacht zuvor in einem State Park in Half Moon Bay Eintritt bezahlt hatten.

Pazifikküste

Wir fuhren auf dem PCH weiter südwärts bis nach Big Sur, wo wir eine weitere Rast einlegten. Uns war klar, das es da unten wegen der Sperrung nicht mehr weiter ging. Das Risiko, mit einem Wohnmobil auf irgendwelchen Baustraßen durch den Wald zu eiern war uns zu groß. Mit einem eigenen Fahrzeug kann man das vielleicht machen, aber der Gedanke, wegen Leichtsinns an einem Abschlepphaken zu enden, war uns dann doch zu abschreckend. Leider fehlte uns auch noch die Gelassenheit, um Stehplätze für die Nacht zu finden. Was wussten wir schon von boondocking oder BLM-Plätzen? Genau, nichts. Das Wissen kam erst später. Und so machte sich dann schon nachmittags immer die Sorge breit, wo wir denn über Nacht stehen würden.

Die Bixby Bridge haben wir an diesem Tag auch gleich zweimal überquert. Hin und zurück.
Der Zweck dieser Etappe: Big Sur

So schön die Fahrt entlang der Pazifikküste auch ist – irgendwann muß man wieder ins Landesinnere. Für uns bedeutete dies erst einmal zielloses Weiterfahren auf der Suche nach einem Rastplatz für die Nacht. Die Tageskilometer addierten sich schon merklich, es fing an zu dämmern, wir fuhren durch Gegenden, die so garnichts mit den ansprechenden Bildern in den Reiseprospekten zu tun hatten, auf der 101 südwärts. Links und rechts nur Agrarland, Avocado-Farmen wohl. So kamen wir nach King City, müde, hungrig und erschöpft. In einem Burger King verspeisten wir unser Abendessen und Unmut machte sich breit. Wir checkten nochmal unsere Apps nach Plätzen. In der Nähe war der San Lorenzo Park Campground. Für unsere Verhältnisse sehr spät kamen wir dort an.

USA 2018 – Half Moon Bay

22.Mai 2018

Seit vorgestern sind wir in den USA, von Berlin über Frankfurt sind wir hergeflogen und haben erst einmal in San Francisco übernachtet. Man bekommt kein Wohnmobil in die Hand gedrückt, wenn man aus dem Flieger steigt. Es war ohnehin schon später als geplant, weil die Einreiseformalitäten sich doch länger hinzogen. Danach haben wir uns von einem Taxi in das Hotel bringen lassen, nachdem der Fahrer endlich einen Weg ausfindig gemacht hat. Taxifahrer in San Francisco sind eine Klasse für sich. Das Hotelzimmer war schlicht, Best Western Standard, aber uns war es egal. Wir waren in Amerika. Wir waren müde.

Am nächsten morgen haben wir uns dann wieder durch die halbe Stadt kutschieren lassen, um das Wohnmobil bei Cruise America abzuholen. Ursprünglich wollten wir öffentliche Verkehrsmittel benutzen, aber dann war es doch bequemer, die Koffer und den ganzen Kram einfach ins Auto zu packen. Wir hatten das Hotel schon weit voraus in Deutschland gebucht, uns dann aber statt für Jucy Camper für Cruise America umentschieden, von daher lag das Hotel nicht mehr ganz so günstig. Aber egal, jetzt sollte es los gehen. Der Plan für den ersten Tag war: Wohnmobil abholen, einkaufen, raus aus der Stadt. Ich wollte nicht am ersten Tag durch San Francisco kurven, sondern einfach nur raus.

Und jetzt liegt die erste Nacht im Wohnmobil hinter uns. Wir sind in der Half Moon Bay auf einem Campingplatz gelandet und versuchen uns nicht ansehen zu lassen, das wir die absoluten Greenhorns in puncto Wohnmobil und USA sind. Na ja, ich nicht ganz, ich habe hier ein paar Jahre gelebt, aber das ist lange her und eine andere Geschichte. Meine Frau allerdings ist das erste Mal hier und das erste Mal überhaupt geflogen. Und jetzt steht sie am Pazifik und ist überglücklich.

Es geht endlich an den Strand

Die Pazifikküste im Norden Kaliforniens ist oft in nebligen Dunst getaucht. Manchmal sieht man wochenlang keine Sonne. Trotzdem wohnt in dieser Szenerie ein ganz bestimmter Zauber, der sich im Sonnenschein wahrscheinlich nicht offenbaren würde, weil der würzige Duft der unzähligen Kräuter in der Sonne anders riecht als diese Mischung aus salziger Gischt und Frische. Es reinigt die Sinne.

Zauberhafte Stimmung an der Pazifikküste

Wir machten einen ausgiebigen Spaziergang und versuchten alles mit allen Sinnen aufzusaugen. Der frische Wind trieb den Jet Lag aus den Knochen und wir filmten und fotografierten munter drauf los. Das Foto oben ist ein gutes Beispiel, wie man eine Stimmung ablichtet. Auch dazu braucht es nicht unbedingt Sonnenschein, wenngleich es manchmal schwierig ist.

Half Moon Bay. Hinten bei den Häusern irgendwo steht unser Wohnmobil
Strandflora

Nun lag die zweite Etappe vor uns. Wir wollten die Highway 1, den allseits bekannten Pacific Coast Highway Richtung Süden nehmen. Ziel war Big Sur. Leider war der PCH im Frühsommer 2018 hinter Gorda wegen eines Erdrutsches nicht mehr befahrbar. Trotzdem wollten wir soweit nach Süden wie möglich, und dann zurück nach Monterey und von da aus eine Route im Landesinneren fahren. Vorher machten wir aber noch einen Pflichtbesuch bei den See-Elefanten im Ano Nuevo State Park. Davon mehr im nächsten Beitrag. Zuvor noch ein Video: